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FAIRY TALES - SANDRA MANN

2. bis 9. Juli 2017

geöffnet 12 - 18 Uhr

Eintritt frei

ie Grenze zwischen Inszenierung und Wirklichkeit ist stets flie-

ßend. Das Spiel mit dieser Grenze ist wesentlicher Bestandteil

der Fotografe von Sandra Mann. Viele Jahre lang hat sich San-

dra Mann an diese Grenze herangearbeitet, die Kamera als

ständige Begleiterin. „Ich sehe mich als Chronistin dieser Zeit

und unserer skurrilen Gesellschaft“, sagt die Frankfurter Künstlerin.

In Sandra Manns Fokus stand zunächst die Abbildung der Realität. „Die Fo-

tografien der Serien ,Nightlife‘ und ,Daylife‘ entstanden seit 1996 und sind

Verbildlichungen meines Denkens, eine Art visuelle Ulysses. Etwa so wie

Bildskizzen oder ikonografische Tagebuchnotizen.“ Seit dem Jahr 2011 be-

schäftigt sie sich intensiv mit inszenierter Fotografie. „Im Gegensatz zu früher,

als ich viel dem Zufall überlassen habe, nutze ich die Fotografie nun ähnlich

wie einen Text. Nicht mehr das Finden einer bemerkenswerten Situation steht

im Vordergrund, sondern das Konstruieren und Senden einer Botschaft. Die

einzelnen Bildelemente – die Komposition, Farbgebung und Details – sind

die Buchstaben dieses Textes. Die Bilder einer fotografischen Serie beziehen

sich aufeinander und ergeben wie Wörter schließlich ein ganzes Buch.“

D

Sandra Mann nutzt hierbei die Sehgewohn-

heiten der Betrachterinnen und Betrachter,

um sie auf die falsche Fährte zu locken, so

offenbaren sich die wahren Botschaften der

Fotos oftmals erst auf den zweiten Blick: Es

sind keine Monet-Seerosen, die so offen-

sichtlich den Teich mit der schönen Baden-

den zieren. Es sind Hunderte weißer,

zerdrückter Plastikbecher. Die Polizistin auf

dem Pferd reitet in Wirklichkeit auf einem

seltenen Pinzgauer Rind. Und bei einem

Pärchen im Wald sind im Spiegel die Körper,

die Geschlechter, vertauscht. „In meinem

Studium an der Hochschule für Gestaltung

in Offenbach habe ich mich intensiv mit

Wahrnehmungs-Psychologie auseinander-

gesetzt, mich mit Verdrängung und der Wir-

kung von Bildern beschäftigt. Diese

Faktoren sind in meinen Fotografien einge-

bettet“, erklärt Mann.

SANDR

A

MAN

N

„240606-4755 ROSA UND MAX“

(Frankfurt a. M.), 2006

>

„231100-0002 SANDRA MIT BART“

(Frankfurt a. M.), 2000